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BLOGNORTHUGS RÜCKFALL MACHT BETROFFEN

NORTHUGS RÜCKFALL MACHT BETROFFEN

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Wieder einmal schreibt er richtig fette, aber leider negative Schlagzeilen – Petter Northug. Der zweifache Langlauf-Olympiasieger aus Norwegen wird als Raser von der Polizei gestoppt. Kokain im Blut. Kokain daheim im Haus. Ein Rückfall. Viele Menschen, die Petter als grossartigen Sportsmann bewundert haben, sind traurig und enttäuscht. Schon 2014 hatte er in seiner Heimat mit 1,64 Promille Alkohol im Blut einen schweren Unfall verursacht, der ihm 50 Tage Gefängnis und zudem einen ersten grossen Imageschaden bescherten. Warum nur diese Ausraster? Sind Hochleistungssportler nicht disziplinierte Menschen, die sich im Griff haben…?

Es war ja eigentlich verrückt, wie der heute 34jährige aus seiner ersten Krise herausgefunden hatte. 2015 gewann er in Falun, also im schwedischen „Feindesland“, nochmals vier Weltmeistertitel und erweiterte seine WM-Goldsammlung auf 13 Exemplare. Norwegen verzieh ihm. Wie gerne erinnere ich mich an seine knallharten Duelle mit Dario Cologna – an Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen, an der Tour de Ski? Ich verbrachte viele Stunden gebannt und fasziniert im Pantoffelkino. Petter war ein Winterkind mit vielen Talenten. Als Jugendlicher versuchte er sich auch als Biathlet und Skispringer, sah im Langlauf aber die grössen Chancen. Er war ein Einzelgänger, ein verschlossener Mensch, der in der Loipe – und dann am Mikrofon – weit draufdrängischer war. Er eckte an, er hatte auch Feinde. Fairplay war ihm nicht immer gleich wichtig. Er provozierte gerne. Aber – er war der erfolgreichste Langläufer aller Zeiten.

Nach dem Winter 2018 trat er als Aktiver zurück und wandte sich neuen Tätigkeiten zu. Der Karriereübergang schien – zumindest oberflächlich beurteilt – gelungen. Beim norwegischen TV-Sender NRK wurde er Langlauf-Experte und Protagonist einer Unterhaltungsshow, wo sich Norweger und Schweden bekämpfen. Und er entwickelte eine eigene Northug-Linie für Wintersportbrillen und -kleidung. Noch im Januar dieses Jahres präsentierte er an der ISPO München, der grössten Sportartikelmesse Europas, seine Produkte als Botschafter. Vieles schien in Ordnung zu sein. Und jetzt das…

Als Mit-Initiant von sportlifeone überlege ich mir, wie gefährdete Sportlermenschen vor solchen Problemen geschützt werden können. Das Sportsystem ist dafür nicht geschaffen. Das unmittelbare Umfeld erkennt das Problem zu spät. Und auch unser heutiges sportlifeone-Netzwerk bietet dafür keine abschliessende Hilfe. Aber es muss doch einen Weg geben, dass derartige Schicksale auf ein absolutes Minimum reduziert werden können. Northugs Schicksal ist ja beileibe kein Einzelfall. Auch der finnische Skispringer Matti Nykänen oder die einstigen Radsport-Ikonen Marco Pantani, Frank Vandenbrouke und Jan Ullrich sind mit ihrem Leben nicht mehr klargekommen.

Petter Northugs prominenter Landsmann, der Biathlon-Rekordmann Ole Einar Bjoerndalen, liess sich nach Northugs jüngstem Aussetzer so zitieren: „Die Unterstützung von Freunden reicht jetzt nicht mehr – er braucht professionelle Hilfe.“ Wenigstens dies hat auch Northug eingesehen, wie er an einer Medienkonferenz eingestanden hat.

Gute Besserung, Petter.

 

Martin Zinser, Geschäftsführer sportlifeone

Bilder von Instagram @jantelov1

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