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BLOG Rien ne va plus. Die Corona-Krise.

Rien ne va plus. Die Corona-Krise.
Leere Sitzreihe in einem Stadion

Rien ne va plus. Europa steht seit Mitte März still – nichts geht mehr. Mittendrin die Schweiz. Der Bundesrat hat am Freitag, den Dreizehnten, erste radikale Massnahmen für unser Land ausgerufen und ein paar Tage später verschärft. Das Corona Virus Covid-19 breitet sich immer noch aus, es fordert auf der ganzen Welt immer mehr Menschenleben. Jede Massnahme hilft jetzt mit, den Wettlauf mit der Zeit zu gewinnen, das Virus zu bremsen.

Die Krise hat alle Bereiche des Lebens erfasst. Home schooling, Social Distancing und Systemrelevanz sind neues Vokabular. Universitäten und Schulen sind geschlossen, Events und Konzerte abgesagt, und auch der Sport unterliegt einem Lockdown, wie er es seit dem zweiten Weltkrieg nie mehr erlebt hat.
Jetzt wäre ja eigentlich Eishockey. Der ZSC hätte nach dem Titel greifen wollen. Jetzt wäre ja eigentlich Fussball. Der FC St. Gallen würde begeisternd aufspielen. Jetzt wäre ja eigentlich auch Unihockey, Handball oder Basketball. Das alles ist weit weg. Und zuletzt haben es auch die Hüter des olympischen Geists eingesehen, dass Tokyo 2020 erst 2021 sein wird. Vernünftig und richtig!

Wir erleben derzeit eine Krise, die für viele zwar nicht direkt lebensbedrohlich ist, mit der wir nun aber umgehen sollen. Wir entdecken neue Formen des Zusammenlebens, es entstehen virtuelle Gemeinschaften. Videos zeigen, dass Sportlerinnen und Sportler sich etwas einfallen lassen. SRF bietet bald eine live kommentierte, virtuelle Tour de Suisse, an der auch einzelne Rennfahrer wie Stefan Küng mitstreiten. Aber eben – der richtige Sport, den wir so lieben, steht still. Was heisst das für dich als Profisportlerin oder Profisportler? Du hast am eigenen Leib erfahren, dass du von einem Tag auf den anderen nicht mehr arbeiten gehen kannst. Kein Turnier, kein Preisgeld. Keine Wettkämpfe, keine Gegenleistungen für Sponsoren. Saison fertig, die TV-Sender wollen Geld zurück. Die Corona-Krise hat die Wirtschaft, und dazu gehört der Profisport längst dazu, in eine Rezession gestürzt. Ich höre von Existenzängsten auch bei Profisportlern – verständlich.

Was kann ein kleines Individuum dieses Systems in dieser Situation tun? Du kannst die Geschehnisse ja nicht beeinflussen. Also bleibt dir einzig, dein Verhalten bestmöglich anzupassen, ruhig und vernünftig zu bleiben, für dich und deine Liebsten zu schauen. Bestmöglich daheim zu trainieren. Und geduldig abzuwarten. Du hast jetzt vielleicht mehr Zeit. Auch Zeit zum Nachdenken. Wo bin ich stark, wo bin ich schwach, wie bin ich aufgestellt? Wie bin ich auf Krisen, auch kleinere Krisen, vorbereitet?
Covid-19 könnte für Profisportler – natürlich nur im übertragenen Sinne – ein Symbol für das plötzliche Karrierenende sein. Was während 15 Jahren aufgebaut wurde, ist von einer auf die nächste Sekunde wie weggeblasen. Es gibt im Wettkampfsport Ereignisse, die ausserhalb des eigenen Einflussbereichs sind? Ein unfairer Verteidiger, der den gegnerischen Topskorer spitalreif umsäbelt. Ein hässlicher Check in die Bande, welche eine weitere Hirnerschütterung bringt. Ein unvorsichtiger Zuschauer, der den Radprofi vom Rennrad katapultiert? Plötzlich ist alles aus. Das Schicksal hat zugeschlagen.

Krisen gehen irgendwann vorüber – hoffentlich ist das auch mit dem Corona-Virus nicht anders. Wenn sich die Schweiz vom heutigen Schock erholt, so können wir als soziale Gemeinschaft sogar gestärkt herauskommen. Hierzulande, wo eine direkte Demokratie mit Überzeugung gelebt wird, wurde das Fundament für ein normales Weiterleben nicht erst seit dem 13. März 2020, sondern in den letzten Jahren und Jahrzehnten gelegt. Wer in guten Zeiten investiert, dem geht es nach harten Zeiten schnell wieder besser.

Überleg mal – gilt das auch für Profisportler?

Martin Zinser

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